Montag, 10. Dezember 2012

Macht ein Backfokus gute Kekse?

Backfokus, Frontfokus und Fokustest. Als beginnender Amateurfotograf trifft man bei Kamera-Rezensionen und Objektiv-Tests schnell auf diese Fokus-Begriffe, ohne dass man damit zu Beginn viel anfangen kann. Was es mit einem Fokustest auf sich hat, und warum es sinnvoll ist, ihn einmal durchzuführen, möchte ich hier ausführen.


Ich komme gleich zur Sache: Bei manchen Kameramodellen kann es zu der Beobachtung kommen, dass Bilder nicht die Schärfe aufweisen, die man ihnen zugedacht hat. Das zeigt sich meistens darin, dass nicht das fokussierte Objekt, sondern ein Objekt dahinter oder davor in der Schärfeebene liegt, sprich "scharf" abgebildet wird.

So sollte es aussehen, wunderbar korrekter Fokus.

In dieser Situation liegt ein Back- (wenn das Objekt hinter dem Fokussierten scharf ist) oder Frontfocus (das Objekt vor dem Fokussierten ist scharf) vor. Das kann sowohl auf das Kameragehäuse, als auch auf das Objektiv zurückgeführt werden. Weiterhin muss diese Beobachtung nicht bei jedem Foto auftreten, denn wie stark man diesen fehlerhaften Fokus wahrnimmt, liegt an der Schärfentiefe.

Hier haben wir einen bösen Backfocus.

Wenn nämlich ein großer Bereich des Fotos scharf ist, also eine große Schärfentiefe besteht, kann ein Back- oder Frontfokus nicht zwingend ins Auge fallen, da der fokussierte Punkt ebenso scharf ist, wie die Punkte davor oder dahinter. Möglicherweise bemerkt man eine ungleiche Verteilung der Schärfentiefe, das ist aber eher unwahrscheinlich.
Anders liegt der Fall bei offener Blende und damit geringer Tiefenschärfe. Wenn der Schärfebereich ohnehin nur einige Millimeter beträgt, fällt jede noch so kleine Verschiebung schmerzlich auf.
Der folgende Fokustest sollte also in jedem Fall mit möglichst offener Blende durchgeführt werden.

Umso größer die mögliche Blendenöffnung, desto besser.


Das Prinzip des Tests ist sehr einfach. Man fotografiert in einer festgelegten Situation ein Blatt Papier, auf dem eine maßstabsgetreue Tabelle abgebildet ist. Ein Punkt auf dieser Tabelle soll fokussiert werden. Wenn dieser Punkt auf dem gemachten Foto scharf ist, arbeitet der Autofokus korrekt. Ist das nicht der Fall, liegt eine Fehlfokussierung vor, deren Eigenschaften man anhand der Mess-Tabelle und der Verschiebung der Schärfeebene auf dieser feststellen kann.

Der Testaufbau sieht also folgendermaßen aus:



Die Kamera muss im 45°-Winkel zur Testtabelle stehen. Das ist sehr wichtig! Der Mittelpunkt der Tabelle muss mit dem mittleren Fokusfeld fokussiert werden, während die Testtabelle den Bildbereich der Kamera voll ausfüllt. Die Blende ist voll geöffnet. Ausgelöst wird per Fernauslösung oder Zeitauslöser, um manuelle Verrückungen der Kamera und damit der Schärfeebene zu verhindern.

Hier haben wir einen bösen Frontfocus.


Die Testtabelle könnt ihr auf dieser Seite, auf der auch noch einige Informationen mehr zur Fehlfokussierung stehen, herunterladen.


Nachdem die Fotos gemacht sind, geht es ans Interpretieren der Ergebnisse. Stellt ihr einen Back- oder Frontfokus fest, könnt ihr das bei vielen Kameras in den Kamerainternen Einstellungen ändern. Bei der Nikon D7000 sieht das so aus:







Je nachdem, welcher Fehler bei euch vorliegt, müsst ihr den Marker auf der Skala nach oben oder unten verschieben. Liegt der Fokus zu weit vorne, muss der Marker nach unten, ist der Fokus zu nah an der Kamera, muss der Marker weiter nach hinten.
Im ebenfalls möglichen Fall, dass der Fokus schräg verläuft, also zum Beispiel von links unten nach rechts oben, muss eure Kamera höchstwahrscheinlich von einem Fachmann repariert werden.
Bedenkt auch, dass der falsche Fokus möglicherweise am verwendeten Objektiv und nicht am Gehäuse liegt.

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